Offener BriefSehr geehrte Nachbarinnen und Nachbarn,

als verantwortungsvolles, inhabergeführtes Unternehmen sind wir, die Duisburger PCC, auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet. Zur Nachhaltigkeit gehört für uns, stets die Belange unserer Nachbarn zu berücksichtigen und mit unseren Investitionsprojekten nicht nur unsere eigenen Unternehmenswerte zu steigern, sondern auch in unserem Umfeld neue Wertschöpfung zu ermöglichen. So auch in Lülsdorf: Durch den Bau mehrerer Anlagen zur Herstellung von Ethylenoxid und Folgeprodukten möchten wir einen entscheidenden Beitrag zu Fortbestand, Zukunftssicherung und Weiterentwicklung dieses Chemiestandorts mit seiner mehr als 100-jährigen Tradition leisten.

Unser Projekt erfährt positive und auch kritische Resonanz. Leider mangelt es manch vorgebrachter Kritik an Sachlichkeit und am Bezug zu unserem Projekt, was zur Verunsicherung beiträgt. Wir möchten Sie zu einer sachlich-kritischen, auf Fakten basierenden Auseinandersetzung mit unserem Projekt einladen. Schon in einem frühen Projektstadium haben wir die Öffentlichkeit über unsere Pläne informiert und werden, daran anknüpfend, noch intensiver auf Ihre Anliegen eingehen. Wir haben verstanden, dass viele Bürgerinnen und Bürger unserem Vorhaben mit einiger Skepsis gegenüberstehen. Sie wollen wir besonders ansprechen – und hoffentlich überzeugen.

Perspektiven für Lülsdorf und die Region

Denn wir sind überzeugt, dass wir Lülsdorf und der Region mit unserem Projekt einen Impuls geben. Der Chemiestandort als größter Arbeitgeber von Niederkassel ist ein überaus bedeutender Wirtschaftsfaktor, der die regionale Wirtschaft stärkt und dazu beiträgt, dass Beschäftigung und Wohlstand gesichert bleiben. Mit unseren Anlagen wollen wir diesen Standort ausbauen und dauerhaft zukunftsfest machen. Wir gehen davon aus, dass wir mit unserer geplanten Investition von über 500 Millionen Euro direkt etwa 150 neue qualifizierte und langfristig sichere Arbeitsplätze in Lülsdorf allein bei der PCC schaffen. Einschließlich weiterverarbeitender Betriebe rechnen wir mit deutlich über 250 Arbeitsplätzen. Dabei kommt der regionalen Wirtschaft nicht nur die Kaufkraft neuer Mitarbeiter zugute, sie profitiert auch von Aufträgen für lokale Zulieferer und Dienstleister. Auch die Entwicklung der Stadt Niederkassel profitiert von einer wachstumsstarken Chemieproduktion.

Sichere Ethylenoxid-Produktion in Deutschland

Die Sicherheit von Anwohnern und Mitarbeitern hat für die PCC immer höchste Priorität. Die in Lülsdorf geplante Ethylenoxid-Produktion wird die höchsten aktuellen Sicherheitsstandards erfüllen. Dies ist in Deutschland auch zwingend vorgeschrieben und eine rechtliche Voraussetzung für die Erteilung einer Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz.

Bedauerlicherweise kursieren über Ethylenoxid-Produktionsanlagen irreführende Interpretationen wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Beispiel dafür ist die Dokumentation „Zum Gefahrenpotential von Ethylenoxid“ der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages im Auftrag eines Abgeordneten. Anlass der Dokumentation ist unser Projekt in Lülsdorf, doch die Arbeit stützt sich vor allem auf Untersuchungen aus den USA. Die dortigen Umweltstandards sind jedoch weit niedriger als hiesige: So melden Anlagen in den USA – nach dortigem Recht zulässige – Ethylenoxid-Emissionen, die den in Deutschland zulässigen, maximalen Grenzwert um mehr als das Tausendfache übersteigen. Diese enormen, in den USA gestatteten Emissionen sind in Deutschland undenkbar. Hierzulande wäre der Betrieb solcher Anlagen nicht genehmigungsfähig, der Betreiber müsste mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Situation in den USA lässt sich daher in keiner Weise auf Deutschland übertragen.

Die in der Dokumentation erwähnten Untersuchungen beziehen sich zudem auf Anlagen zur Sterilisierung von medizinischen Geräten. Solche Anlagen lassen sich nicht mit Produktionsanlagen vergleichen, denn in Sterilisierungsanlagen stellt Ethylenoxid ein Betriebsmittel dar, von dem unweigerlich ein Teil als Abgas entweicht. Dagegen fällt bei einer Ethylenoxid-Produktionsanlage, wie wir sie in Lülsdorf planen, Ethylenoxid im Abgas nicht an. Eine Produktionsanlage muss technisch dicht sein. Das ist gesetzlich verpflichtend.

Die Wissenschaftlichen Dienste weisen auch selbst an mehreren Stellen der Dokumentation darauf hin, dass es keine wissenschaftlich fundierte Datenlage gibt, aus der sich gesundheitliche Beeinträchtigungen für Anwohner ableiten ließen. Anders als es Kritiker unseres Projekts darstellen, wird in der Dokumentation nicht geschlussfolgert, dass der Bau einer Ethylenoxid-Produktionsanlage am Standort Lülsdorf „verantwortungslos“ wäre.

Im Gegenteil: Bei der PCC sind wir uns der Verantwortung für die Sicherheit von Mitarbeitern und Anwohnern voll bewusst und unsere eigenen Chemieunternehmen verfügen über Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten in der sicheren Verarbeitung und Lagerung von Ethylenoxid. Die europäischen und speziell die deutschen Regelwerke sorgen für einen sicheren Betrieb einer Ethylenoxid-Produktionsanlage. Dies gilt nicht nur für das Risiko durch Emissionen, sondern auch für das durch Unfälle. In Deutschland ist es – mit derzeit vier Ethylenoxid produzierenden Betrieben und einer Vielzahl von Unternehmen, die Ethylenoxid weiterverarbeiten – seit 1980 nur zu vier Störfällen gekommen. Verletzte gab es keine und es entstand jeweils kein oder nur geringer Sachschaden.

Dafür sorgen auch die höchsten Sicherheitsstandards in Ethylenoxid-Produktionsanlagen, die in Deutschland in der „Richtlinie zur funktionalen Sicherheit in der Prozessindustrie“ (VDI/VDE 2180) gesetzlich vorgeschrieben und regelmäßig von den Behörden kontrolliert werden. Insgesamt wird dadurch hierzulande sichergestellt, dass von einer solchen Anlage kein erhöhtes Risiko ausgeht.

Unser Projekt trägt zum Zukunftsthema Elektromobilität in Deutschland bei

Für uns bei der PCC spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Unsere Chemieunternehmen wurden in den vergangenen Jahren mehrmals für ihr Nachhaltigkeitsengagement ausgezeichnet. Besonders freut es uns daher, dass wir mit unserem geplanten Projekt in Lülsdorf auch zu Umwelt- und Klimaschutz beitragen können. Beispielsweise wollen wir den Großteil des in der Ethylenoxid-Anlage anfallenden CO2 klimaschonend zurückgewinnen. Dadurch würden wir jährlich rund 45.000 Tonnen CO2 erfassen, um sie als Rohstoff zur Herstellung von Ethylencarbonat einzusetzen. Diese chemische Verbindung wird als Rohstoff für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, etwa für Elektroautos, benötigt. So trägt unser Projekt auch zur Förderung des Zukunftsthemas Elektromobilität in Deutschland bei.

Ausblick und Dialog

Zahlreiche Gutachten unabhängiger Experten zu unserem Vorhaben werden unsere Fachleute in die Ausgestaltung und Konkretisierung der Pläne einfließen lassen. Wir rechnen aktuell damit, die erforderlichen Gutachten sowie die Genehmigungsanträge im Frühjahr 2022 bei der Bezirksregierung Köln, der zuständigen Genehmigungsbehörde, einreichen zu können. Für das Genehmigungsverfahren besteht daraufhin eine gesetzliche Frist von sieben Monaten. Im Anschluss daran würden wir auch unsere finale Investitionsentscheidung treffen. Ab dem dritten Quartal 2025 wäre die Inbetriebnahme der Anlagen vorgesehen.

Während des gesamten Prozesses ist uns der sachliche und offene Dialog mit Ihnen, unseren Nachbarinnen und Nachbarn, sehr wichtig. Selbstverständlich stehen wir Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung (Projekt-Hotline: Montag – Freitag 10.00 – 12.00 Uhr 02066-2019-36, E-Mail: nachbarschaft@pcc-luelsdorf.de). Zusätzliche Informationen finden Sie auf unserer Projekt-Website www.pcc-luelsdorf.de. Nach der Corona-bedingten Unterbrechung werden wir, sobald es die Pandemiesituation zulässt, auch unsere Informationsveranstaltungen vor Ort im Kasino von Evonik und damit den direkten Dialog mit Ihnen wieder aufnehmen.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit.

Es grüßt Sie, sehr geehrte Nachbarinnen und Nachbarn,

Ihr Waldemar Preussner

Verwaltungsratsvorsitzender, Gründer und Alleinaktionär der PCC SE

Duisburg, 4. Dezember 2020

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